Die schönsten Motorradtouren in der Serra de Tramuntana
Kehren über dem Meer, Stauseen im Hochgebirge und Dörfer aus Naturstein: sechs Strecken, die eine Motorradreise auf Mallorca lohnen, mit Halt-Tipps und der besten Tageszeit.

Wer Mallorca nur vom Strand kennt, sieht im Nordwesten der Insel eine andere Welt. Die Serra de Tramuntana zieht sich als Gebirgskette an der ganzen Küste entlang, seit 2011 ist sie als Kulturlandschaft Welterbe der UNESCO. Für Motorradfahrer ist sie vor allem eines: ein dichtes Netz aus Kurven, Pässen und Aussichtspunkten auf engem Raum, das sich in zwei oder drei Tagen gut erfahren lässt.
Das Rückgrat ist die Ma-10. Sie verbindet auf gut 110 Kilometern Andratx im Südwesten mit Pollença im Nordosten und führt dabei durch rund zehn Gemeinden. Von ihr zweigen die Nebenstraßen ab, für die viele Fahrer überhaupt erst auf die Insel kommen. Die folgenden sechs Strecken lassen sich einzeln fahren oder zu Tagesrunden verbinden.
| Strecke | Länge grob | Charakter |
|---|---|---|
| Ma-10 Andratx bis Sóller | rund 65 km | Küstenstraße, Kurven ohne Ende, viele Aussichtspunkte |
| Sa Calobra, Ma-2141 | rund 14 km je Richtung | Kehren bis ans Meer, Sackgasse |
| Sóller, Puig Major, Lluc | rund 35 km | Hochgebirge, Stauseen, Tunnel |
| Coll de Sóller, alte Passstraße | rund 15 km | Enge Kehren, wenig Autoverkehr |
| Bunyola, Orient, Alaró | rund 20 km | Schmale Nebenstraße, stilles Hochtal |
| Lluc bis Pollença | rund 20 km | Flüssige Kurven, Abfahrt ins Tal |
Die Längen sind gerundet und hängen davon ab, wo man misst. Für die Planung zählt ohnehin die Zeit: Auf diesen Straßen kommt man selten schneller als 40 Kilometer pro Stunde im Schnitt voran, mit Fotostopps deutlich langsamer.
1. Ma-10 von Andratx nach Sóller: die Westküste
Hinter Andratx steigt die Ma-10 in die Berge und bleibt dann über weite Strecken hoch über dem Meer. Estellencs und Banyalbufar kleben mit ihren Terrassenfeldern am Hang, danach schwenkt die Straße ins Landesinnere nach Valldemossa und kehrt über Deià an die Küste zurück, bevor sie ins Tal von Sóller abfällt. Der Abschnitt bis Banyalbufar ist reine Küstenstraße, eng, unübersichtlich und mit Leitplanken, die man im Blick behalten sollte.
- Charakter: rhythmische Kurven, kaum Geraden, häufig Gegenverkehr durch Mietwagen.
- Halt: der Mirador de ses Ànimes bei Banyalbufar, ein alter Wachturm mit Blick die Küste entlang. Später Deià, eines der bekanntesten Bergdörfer der Insel.
- Beste Zeit: später Nachmittag, wenn das Licht über dem Meer weich wird. Valldemossa und Deià sind zur Mittagszeit voll mit Ausflugsverkehr.

2. Sa Calobra: Kehren bis ans Meer
Die Ma-2141 ist die berühmteste Straße Mallorcas. Sie zweigt zwischen dem Stausee Gorg Blau und Lluc von der Ma-10 ab, klettert kurz zum Coll dels Reis und fällt dann in einer Kette von Haarnadelkurven bis zur kleinen Bucht von Sa Calobra ab. Der Ingenieur Antonio Parietti hat sie Anfang der 1930er Jahre angelegt. Sein Meisterstück ist der Nus de sa Corbata, der Krawattenknoten: eine Dreivierteldrehung, bei der die Straße unter sich selbst hindurchführt.
Die Straße ist an vielen Stellen zu schmal, als dass sich zwei größere Fahrzeuge bequem begegnen könnten. Ausflugsbusse rangieren in den Kehren, Radfahrer quälen sich bergauf, Mietwagen halten an jeder Ausbuchtung. Wer hier unterwegs ist, fährt defensiv und rechnet hinter jeder Kehre mit einem Bus auf der eigenen Spur. Da Sa Calobra eine Sackgasse ist, geht es auf demselben Weg zurück.
- Charakter: technisch, langsam, spektakulär. Kein Ort zum Zeitfahren.
- Halt: am Coll dels Reis oberhalb der ersten Kehren, und unten der Fußweg durch zwei Felsdurchgänge zur Mündung des Torrent de Pareis.
- Beste Zeit: früh am Morgen, bevor die Busse kommen, oder am späten Nachmittag. Im Frühjahr, zur Hauptsaison der Radsportler, ist die Straße tagsüber oft hoffnungslos voll.
3. Von Sóller über den Puig Major nach Lluc
Hinter Sóller schraubt sich die Ma-10 in Serpentinen nach oben, vorbei an Fornalutx, das tief unten im Tal liegt. Dann wird die Landschaft karg und weit. Rechts erhebt sich der Puig Major, mit 1.443 Metern der höchste Berg der Insel. Seinen Gipfel nutzt das Militär, er ist nicht zugänglich. Die Straße erreicht ihren höchsten Punkt am Tunnel von Monnàber auf gut 850 Metern, danach folgen die beiden Stauseen Cúber und Gorg Blau, die Palma mit Wasser versorgen.
Nach dem Abzweig nach Sa Calobra führt die Straße durch Steineichenwald zum Kloster Lluc, dem spirituellen Zentrum Mallorcas. Hier lässt sich gut Pause machen, bevor man entweder nach Pollença weiterfährt oder über Caimari ins Inselinnere abbiegt.
- Charakter: Hochgebirge im Kleinen, breiter ausgebaut als die Küste, mit langen Bögen.
- Halt: der Mirador de ses Barques oberhalb von Sóller mit Blick über das Tal, später das Kloster Lluc.
- Beste Zeit: Vormittag. Mittags ziehen über dem Puig Major oft Wolken auf. Im Winter kann es in dieser Höhe empfindlich kalt und nass werden.
4. Coll de Sóller: die alte Passstraße
Seit Ende der 1990er Jahre führt ein Tunnel unter dem Coll de Sóller hindurch, seit Ende 2017 ohne Maut. Der Durchgangsverkehr nimmt fast vollständig diesen Weg. Darüber liegt die alte Passstraße, die Ma-11a, mit Dutzenden enger Kehren auf beiden Seiten bis zur Passhöhe auf knapp 500 Metern. Für Motorradfahrer ist das ein Geschenk: wenig Autos, viel Kurvenarbeit, und auf der Nordseite immer wieder der Blick hinunter auf Sóller und seine Orangengärten.
Den Tunnel dürfen Radfahrer nicht benutzen, deshalb ist die Passstraße bei ihnen beliebt. Hinter einer Kehre steht deshalb öfter eine Gruppe am Hang als ein Auto.
- Charakter: eng, griffig, kurz. Ideal als Verbindung zwischen Palma und Sóller, wenn man nicht durch den Tunnel will.
- Halt: an der Passhöhe, oder unten in Sóller mit seinem Platz vor der Kirche. Wer dort ohnehin Halt macht, findet in unserem Beitrag zu Sóller und Port de Sóller Ideen für den Nachmittag.
- Beste Zeit: später Nachmittag, wenn die Sonne das Tal von Sóller ausleuchtet.
5. Bunyola, Orient und Alaró: das stille Hochtal
Die Ma-2100 ist das Gegenprogramm zur Ma-10. Von Bunyola klettert sie in engen Kehren zum Coll d'Honor und senkt sich dann in das Tal von Orient, einen Weiler mit einer Handvoll Häusern, Wiesen und Schafen. Danach geht es weiter nach Alaró, über dem die Ruine des Castell d'Alaró auf ihrem Felsklotz thront.
Die Straße ist schmal, der Belag wechselt zwischen frischem Asphalt und Abschnitten mit Flickstellen und Schlaglöchern. Dafür ist hier deutlich weniger los als auf den bekannten Strecken. Eine Reiseenduro mit etwas Federweg fühlt sich auf dieser Straße wohler als ein Sportmotorrad.
- Charakter: ländlich, verwinkelt, mit Überraschungen im Belag.
- Halt: in Orient selbst, wo Gasthäuser mit Blick auf das Tal liegen.
- Beste Zeit: Vormittag, wenn das Tal noch im Schatten der Berge liegt und die Luft frisch ist.
6. Von Lluc nach Pollença
Das letzte Stück der Ma-10 ist das flüssigste. Vom Kloster Lluc geht es über den Coll de Femenia auf gut 500 Metern und dann in weiten Bögen hinunter in das fruchtbare Tal von Pollença. Die Straße ist gut ausgebaut, die Kurven lassen sich weit einsehen. Ein schöner Abschluss nach einem Tag in den engen Kehren weiter westlich.
- Charakter: schwungvoll, übersichtlich, gut für ein entspanntes Ausrollen.
- Halt: Pollença mit seinem Kalvarienberg, auf den 365 Stufen führen, und der Plaça Major.
- Beste Zeit: später Nachmittag, auch mit Blick auf die Weiterfahrt.
Wer danach noch zum Cap de Formentor will, muss die Saison im Blick haben. Die Ma-2210 zum Leuchtturm wird im Sommer für den privaten Verkehr gesperrt. 2026 galt die Sperre laut ADAC vom 15. Mai bis 18. Oktober täglich von 10 bis 22 Uhr. Zeitraum und Uhrzeiten werden jedes Jahr neu festgelegt, deshalb vor der Fahrt die aktuelle Regel prüfen.
Zwei Tagesrunden zum Kombinieren
Westrunde: Palma, Andratx, Ma-10 über Banyalbufar, Valldemossa und Deià nach Sóller, zurück über die alte Passstraße am Coll de Sóller. Ein voller Tag mit viel Küste.
Nordrunde: Palma, Bunyola, Orient, Alaró, weiter über das Inselinnere nach Caimari und Lluc, Abstecher nach Sa Calobra, dann über den Puig Major hinunter nach Sóller. Wer lieber am Meer endet, fährt ab Lluc nach Pollença.
Beste Reisezeit
Frühjahr und Herbst sind die angenehmsten Monate für Motorradtouren in der Tramuntana. Die Temperaturen sind mild, die Landschaft ist im Frühjahr grün und im Herbst klar. Zu bedenken ist, dass von etwa März bis Mai die Radsportsaison auf ihrem Höhepunkt ist und die Bergstraßen dann voll von Rennradgruppen sind. Im Hochsommer lohnt sich ein früher Start, mittags wird es auch in den Bergen heiß. Im Winter ist vieles möglich, auf den höheren Abschnitten aber mit Nässe, Nebel und kalten Morgenstunden zu rechnen.
Verkehr und Radfahrer
Auf keiner Strecke der Insel begegnet man so vielen Radfahrern wie in der Tramuntana. Die Regeln gelten auch für Motorräder: Beim Überholen eines Radfahrers sind seitlich mindestens 1,5 Meter Abstand vorgeschrieben, außerhalb geschlossener Ortschaften muss man dabei mindestens 20 Kilometer pro Stunde unter dem Tempolimit bleiben. Wer hinter Radfahrern auf derselben Spur fährt, hält mindestens fünf Meter Abstand. Radfahrer dürfen in Gruppen nebeneinander fahren. Auf engen Bergstraßen heißt das oft: geduldig warten, bis die Sicht frei ist.
Dazu kommen Reisebusse, die in den Kehren die ganze Breite brauchen, und Mietwagen, die an Aussichtspunkten unvermittelt bremsen. Wer in einer Kehre einen Bus kommen sieht, bleibt stehen und lässt ihn durch.
Sicherheit unterwegs
- Auf Sand, Rollsplitt und herabgefallene Steine achten, besonders nach Regen und in schattigen Kehren.
- Ziegen und Schafe stehen in der Tramuntana gern auf der Fahrbahn.
- Tankstellen sind im Gebirge rar. Vor der Tour in Andratx, Sóller, Pollença oder im Inselinneren volltanken.
- Der Notruf ist die 112. Weitere wichtige Nummern und aktuelle Verkehrshinweise stehen auf unserer Seite Vor Ort.
- Viel trinken, auch wenn der Fahrtwind kühlt, und die Tagesetappe lieber kürzer planen als zu lang.
Motorrad mieten auf Mallorca
Wer nicht mit dem eigenen Motorrad anreist, mietet vor Ort. Mietmotorräder gibt es auf Mallorca bei mehreren Vermietern, viele davon nahe dem Flughafen Palma, so dass die erste Tour direkt nach der Landung beginnen kann. Manche liefern das Motorrad auch zum Hotel, andere bieten geführte Touren in kleinen Gruppen an, für alle, die die Strecken nicht allein erkunden wollen.
Für die Tramuntana mit Gepäck oder Sozius sind große Reiseenduros wie die BMW R 1300 GS bequem, sie verlangen in den engen Kehren von Sa Calobra aber eine sichere Hand. Leichtere Mittelklasse-Enduros und Naked Bikes sind in den Spitzkehren handlicher, Modelle mit tiefer Sitzbank helfen kleineren Fahrern beim Rangieren. Wer es klassisch mag, findet Retro-Maschinen wie die R nineT oder die R 12 G/S. Für Inhaber des Führerscheins A2 gibt es leichtere Modelle, für die großen Maschinen braucht es den unbeschränkten Führerschein der Klasse A.
Die Bedingungen unterscheiden sich von Vermieter zu Vermieter: Führerscheinklasse, Mindestalter, Kaution, Kilometerregelung und Zubehör wie Helm, Schutzkleidung, Koffer oder Navigationsgerät sollten Sie vor der Buchung beim jeweiligen Anbieter prüfen.
Wer mit dem Auto weiterreist, findet in unserem Beitrag zum Flughafen Palma Tipps zu Ankunft und Mietwagen. Und wer die Tramuntana ohne Motor erleben will: Wir haben auch Radtouren rund um Sóller und Valldemossa und Wanderrouten in der Serra de Tramuntana zusammengestellt.
Häufige Fragen
Welche Motorradstrecke auf Mallorca ist die bekannteste?
Die Ma-2141 nach Sa Calobra mit dem Nus de sa Corbata, einer Kehre, in der die Straße unter sich selbst hindurchführt. Sie ist eng und oft voll, deshalb am besten früh am Morgen fahren.
Wann ist die beste Zeit für Motorradtouren in der Serra de Tramuntana?
Frühjahr und Herbst. Von etwa März bis Mai sind allerdings sehr viele Radsportler unterwegs, im Hochsommer lohnt ein früher Start wegen der Hitze.
Darf man mit dem Motorrad zum Cap de Formentor fahren?
Außerhalb der Sommersperre ja. 2026 war die Ma-2210 vom 15. Mai bis 18. Oktober täglich von 10 bis 22 Uhr für den privaten Verkehr gesperrt. Die Regel wird jedes Jahr neu festgelegt.
Welcher Abstand gilt beim Überholen von Radfahrern?
Seitlich mindestens 1,5 Meter. Außerhalb geschlossener Ortschaften muss man beim Überholen außerdem mindestens 20 Kilometer pro Stunde unter dem Tempolimit bleiben.


